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Donnerstag

So. Es ist Donnerstag. Donnerstag werden ja alle munter. ALLE. Seien es Kunden denen noch etwas furchtbar Dringendes einfällt, die dann aber während des Wählens der Telefonnummer eine spontanen Amnesie Anfall haben und leider nur noch wissen, dass sie etwas furchtbar Wichtiges wollten, aber nicht mehr wissen was genau das war, sobald sich jemand am anderen Ende meldet, oder es ist die Chef-Etage, die das Gefühl hat, man ist unterfordert und einem mit witzigen Beschäftigungsmanövern dazu bringt nach Symptomen des Burn-out-Syndroms zu googlen. Eigentlich lässt sich ein durchschnittlicher Donnerstag nur mit dem Wissen überstehen, dass morgen endlich Freitag ist.

Es ist also 8:23 Uhr und das Telefon klingelt. „Schwert Immobilien, Löffler guten Tag.“ Kurz Ruhe. „Ach Frau Löffler, hallo.“ Auch so ein Ding, die Durchwahl von jemanden wählen und dann kurz überrascht sein das sich exakt dieser jemand meldet. „Frau Löffler mir geht`s um Folgendes: Ich habe mir mit Ihnen letzte Woche diese Wohnung in Dings… hier in… na Sie wissen schon“ Nein weiß ich nicht. „…angeschaut, na sagen Sie gleich.“ „Können Sie mir bitte Ihren Namen sagen, vielleicht weiß ich dann um was es geht.“ Idioten, jeder der sich ein Telefon anschafft sollte einen staatlichen `Wie melde ich mich am Telefon-Test` ablegen müssen. „Achso, ja mein Name ist Rödel. Die Frau mit dem Hund.“ Ach klar, die Frau mit dem Hund, über die hat man ja schon mal gelesen. Bin genervt. „Was war es denn für ein Hund?“ Kurz Ruhe. „So ein kleiner Yorkshire.“ IDIOTIN. Möchte mir den Telefonhörer an den Kopf hauen. Oder besser der lieben Frau Rödel. „Frau Rödel ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir jetzt nicht einfällt welche Wohnung wir besichtigt hatten. „Hach, wie hieß doch gleich die Straße. Da wo der Baum mit der Schaukel steht.“ Zack und wieder keimt der Telefonhörer Zweckentfremdungswunsch. „Frau Rödel, wenn Sie mir bitte wenigstens den Ort sagen könnten.“ „Ja das kann ich.“ Oh, bin kurz überrascht. „Das war in Neustadt.“ Schlagartig Erkenntnis zuckt durch meinen Kopf, leider. „Ach Frau Rödel, ja ich weiß Bescheid. Hauptstraße 41, die Wohnung im Erdgeschoss mit Terrasse.“ Am andere Ende freudige Erregung. „Ja, ja genau, super.“ Ja super. „Gut Frau Rödel, wie kann ich Ihnen denn jetzt weiterhelfen?“ „Frau Löffler ich wollte nur sagen, dass ich die Wohnung doch nicht nehme.“ Ooooook, dafür quäle ich mir hier einen ab. Ich meine wenn das alles gewesen wäre, hätte ich mich ja noch besänftigen lassen, aber neeeeeeeeeiiiin es ist ja Donnerstag, der Feiertag der Halbirren. „Frau Löffler seien Sie mir nicht böse, aber ich habe mir das lange überlegt. Mein Mann kommt ja ursprünglich aus Neustadt und die Schwester von meinem Mann wohnt in der Nachbarstadt und ich habe damals, ach das muss jetzt gut 30 Jahre her sein…“ Ding Ding Ding, WARNUNG: Temporärer Speicher gefüllt, schalte um auf `aha`. „Aha.“ „Da hatten wir uns unseren ersten Hund geholt und da haben wir auch in einer Erdgeschosswohnung gewohnt…“ „Aha.“ „Und der Rudi, so hieß der, der war immer so selig wenn er am Fenster rausgucken konnte…“ Aha.“ Sven der mir im Büro gegenüber sitzt, lehnt sich an seinem Monitor vorbei und schaut mich fragend an. Ich halte den Hörer zu und sage: „Idiotin.“ „Ach, klar heut ist ja Donnerstag.“ Ohne Sven wäre ich aufgeschmissen. Laut brüllt er: „Frau Löffler, kommen Sie bitte zum Empfang.“ Göttlich. „Oh Frau Rödel es tut mir wirklich leid, aber ich muss kurz zu unserem Empfang ich melde mich später nochmals.“ Leichte Verwirrung. „Äh ja gut. Bis dahin.“ Aufgelegt. Muss ich informieren ob man deren Nummer sperren kann.

Frisch ans Werk, heute ist Grundrisse zeichnen dran. Habe mich endlich in den vom Eigentümer überlassenen, verschwommenen 1: 1.000.000 Grundriss reingearbeitet, da schlägt der Donnerstag wieder zu. „Schwert Immobilien, Löffler Guten Tag.“ „Sehen Sie meine Nummer nicht?“ Uff verdammt. „Nein, Herr Schwert Entschuldigung, ich war gerade so in meine Grundrisse vertieft.“ „Ich frage mich wozu wir ein Telefon mit Nummernanzeige haben.“ Damit du siehst wenn deine Frau anruft. „Mhh, tut mir leid.“ „Frau Löffler, schauen Sie jetzt mal bitte in das Grundbuch!“ Und von vorne der Spaß. „Herr Schwert, können Sie mir eventuell sagen von welchem Grundbuch Sie reden?“ „Na hier, das von… wo wir den Mieter haben, das mit dem Dings…“ Telefonhörer, wenn ich könnte wie ich wöllte, würdest du jetzt zersplittert in diversen Köpfen stecken. Und Mark Benecke würde sachlich feststellen: „Wenn man sieht wie die Splitter im Gewebe verteilt sind, kann man daraus schließen, dass hier mit äußerster Brutalität vorgegangen wurde.“ „Herr Schwert, meinen Sie das von Friedrichdorf?“ „Keine Ahnung, sagen Sie es mir Sie sind hier die Sekretärin.“ „Eigentlich ist Frau Fischer unsere Sekretärin.“ Hörer knallt auf die Gabel. Es klingelt im Nachbarzimmer. Schwachkopf.

13.2.14 15:21

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