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Frau Wyschneski das ist wie mit Voldemort...

Dienstag. Haben gestern erfahren das es eine neue Kollegin geben wird. Schwert meinte: „Ich bin der Auffassung, dass wir für unser Team noch Verstärkung brauchen.“ Schöner Ansatz. Gut man hätte die Entscheidung über Zuwachs sicherlich eher kundtun können, aber ok. Dienstagmorgen also klingelt es und eine Frau mittleren Altes steht in der Türe. Warum habe ich auch wieder die Türe aufgemacht? „Na hallooooo.“ Warum redet es mit mir wie mit einem Kleinkind? „Ist denn der Herr Schwert da?“ Hab Angst es sind die Zeugen Jehovas. „Guten Tag. Ja ist er. Haben Sie einen Termin?“ Bin so perplex, dass mir nicht mal eine schnippige Antwort einfällt. „Ich glaube den habe ich, hihi.“ Ey, jetzt ist aber gut. „Ich bin Adelind Wyschnewski.“Sagts und macht eine ulkige, fast verbeugende Geste. Mädel ehrlich, egal wer du bist, ich mag dich jetzt schon nicht. „Hat Herr Schwert mich denn schon angekündigt?“ Nein, von einer Zahnfee auf Crack hat er nichts geäußert. Gehe zu Schwert und sage ihm, dass eine der Freitagsirren sich im Tag geirrt hat und heute schon da ist. Also, ich habe es so ähnlich formuliert. „Herr Schwert, da ist eine Frau Wyschnewski? Sie sagt Sie erwarten Sie???“ Schwert springt aus seinem Sessel und hat den Gesichtsausdruck den ich habe wenn der Hermesbote kommt. Erahne Schlimmstes. Schwert donnert fröhlich „Frau Wyschnewski, wunderbar das Sie da sind. Frau Löffler haben Sie ja schon kennengelernt.“ Er zieht ihr die Jacke aus und schmeißt sie mir entgegen, wäre ich cooler als meine Reflexe hätte ich sie fallen gelassen. „Ich zeige Ihnen erstmal unsere Wirkungsstätte.“ WEHEHEHEHER zum Teufel ist die denn? Tappse verwirrt hinterher. Schwert reist die Tür zu Jochens Büro auf, der kippt fast aus seinem Power-Nap auf die Tischplatte. Schwert redet als würde er gerade Hundewelpen verschenken. „Und das ist unser Herr Zurgeist. Jochen darf ich dir vorstellen unsere Frau Wyschnewski.“ Jochen guckt mich verpennt und fragend an, zucke mit den Schultern. „Ähm, Tach. Ähm…“ Man muss Jochen anerkennen, das es in Anbetracht der Tatsache das er nie der Typ Schnellmerker ist UND gerade in seinem 9:00 Nickerchen unterbrochen wurde, eine doch recht umfangreiche Konversation war. Schwert geht mit Wyschnewski an seine Seite gedrückt weiter und reist die nächste Türe auf. Hat was von „Geh aufs Ganze“, nur das hinter jedem Tor ein Zonk sitzt. „Und das ist unsere liebe Frau Löffler und der Herr Baumann.“ Schwert guckt kurz suchend. „Ich bin immer noch hinter Ihnen her Schwert.“ Er kichert. Glaube er ist endgültig geistig entglitten. Sven versucht nicht loszulachen. Tor Nummer 3. „Und hier sitzt Frau Floss. Katrin darf ich dir Frau Wyschnewski vorstellen?“ Ich mag Sie nicht, aber beneide Ihren Mut. „Nein. Ich bin beschäftigt.“ Schwert watschelt weiter. „Hier im Empfangsbereich sitzt die Frau Fischer, aber die holt gerade frische Blumen.“ Unverzichtbare Informationen. „Und hier ist unser Praktikant Steve, er wird mal ein ganz Großer.“ Höre Sven losprusten, Steve kann sich noch beherrschen. „So liebe Frau Wyschnewski, und hier, hier wird nun Ihr Arbeitsplatz sein.“ Jedes Geräusch verstummt.

 

Uff, die also ist die Neue. Ich mag keine Neuen, keine neuen Menschen, keine neuen Situationen, bekomme schon Schlafstörungen wenn der Postbote wechselt. Wyschneski stiert etwas desorientiert auf den Haufen vor sich. Man muss an dieser Stelle erwähnen, dass es Luisas ehemaliger Schreibtisch ist und Luisa war schon so der Typ Jäger und Sammler. Ihre Leidenschaft sind diese zwei „Liebe ist…“ Männlein. Vorteil war, ich hatte jeden Tag eine kostenlose Bildzeitung, Nachteil war, dass Sie mit sehr viel Liebe zum Detail alles mit Zeitungsschnipseln und Keramikfigürchen verzierte, die ein sich in Liebe ergebenes Comicfigur-Pärchen zeigten. Steve hatte eine Zeit lang versucht sie zu kurieren in dem er eigene „Liebe ist… Comics“ entwarf. Da stand dann sowas wie: Liebe ist den anderen im Schlaf nicht zu ersticken… auch wenn man es noch so gern will. Oder: Liebe ist auch für den anderen da zu sein, wenn er im Knast eine Strafe wegen Zuhälterei absitzt. Luisa fand´s doof, ich lach mich heute noch schlapp.

 

Jetzt hab ich den Faden verloren. Jedenfalls hatte Luisa einen Müllberg, tut mir Leid Kleine aber das ist es nun mal, aus Schnipseln und Figuren, Brotbüchsen und Kaffeebechern, Stiften und Zetteln hinterlassen. Schwert dreht sich um und grinst mich fröhlich an. „Die Frau Löffler wird Ihnen die ersten Tage zur Seite stehen und Ihnen alles zeigen. Fühlen Sie sich wie zuhause, wir sind sowas wie eine große Familie.“ Jetzt prustet auch der Praktikant.

 

Na toll. Was soll ich jetzt mit ihr machen? „Ähm, ja also, wenn Sie möchten dann können Sie ja erstmal den Schreibtisch einrichten.“ Es unterbricht mich. „Haben Sie vielleicht mal einen Karton wo ich hier die Sachen reintun könnte.“ Leute die vorweggreifen, sollten geklont und dann mit sich selbst in einem Zimmer eingesperrt werden. Versuche einen Psychotrick. „Für die Sachen brauchen Sie bestimmt einen Karton, den können Sie sich aus dem Lager holen.“ Wenn Leute vorweggreifen, das vorweggesagte ignorieren und es in der nächsten Aussage verwenden. Klappt manchmal. „Zeigen Sie mir wo das Lager ist?“ Manchmal. „Ich zeige Ihnen erstmal wo das Lager ist.“

 

Nervig. Hab nach einer anderthalben Stunde Sightseeing auf 90 m² Bürofläche und dem beantworten diverser Fragen: „War Herr Zurgeist mal in der Feuerwehr? Hat Frau Fischer einen Hund? Ist die Wandfarbe Naturweiß oder Eierschale?“ die Neue an Frau Fischer abgedrückt. Sven lehnt sich hinter seinem Monitor vor. „Sag ma, is nicht den sein ernst?“ „Das er jemanden mit deinen Sprachdefiziten einstellt.“ „Voll lol. Woher hat der die denn?“ „Woher soll ich das wissen?“ Türe geht auf, ohne klopfen, und herein trappst die gutgelaunte Frau Wyschnewski. „So, ich hab jetzt den Tisch soweit aufgeräumt.“ Toll, und? „Da war ganz schön viel Zeug drauf.“ Isses wahr. „Ich kannte mal jemanden der hat auch so Sachen gesammelt…“ Laaaaaaaaaaaaaangweilig. „Aber das ist schon richtig viel gewesen.“ Warum kann das Telefon nicht klingeln? „Ich hole mir jetzt einen Lappen und wische alles nochmal gründlich ab.“ Lalalalalalaaaaa. „Holt die Luisa ihre Sachen noch ab?“ Atem stockt. Spreche leise und verschwörerisch. „Frau Wyschnewski, Sie dürfen den Namen nicht sagen, am besten gar nicht über sie sprechen.“ Wyschneski ist irritiert. Muss mich zusammenreißen. „Das ist wie mit Voldemort.“ „Wem?“ Man man man. „Da reden wir eben nicht drüber. Ich gucke nervös und winke Sie aus dem Zimmer. „Aber Frau Wyschnewski, pschhhht. Nichts zum Chef.“

 

Eine Legende ist geboren. Wenigstens haben wir für den Rest der Woche eine Beschäftigung.

 

19.2.14 08:48

Letzte Einträge: Donnerstag, Wo sind all die Kettensägen wenn man sie braucht?

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